Was ein Fahrwerk macht
Ein Auto steht auf vier Flächen, kaum größer als eine Postkarte. Das Fahrwerk sorgt dafür, dass diese Flächen auf der Straße bleiben, dass du im Auto nicht durchgeschüttelt wirst und dass das Auto genau dahin fährt, wohin du lenkst. Hier lernst du die Teile kennen, fährst mit einem Viertel-Auto über Schlaglöcher und siehst, warum das Auto beim Bremsen nickt.
Station 1Das Fahrwerk auf einen Blick
So liest du die Bilder: der Farben-Code
In allen Lektionen der Fahrwerkskunde haben die Teile dieselben Farben. Tippe eine Farbe an, dann leuchten im Schaubild unten genau diese Teile auf.
Blick von vorn auf die Vorderachse, Karosserie durchsichtig gezeichnet. Bauart McPherson-Federbein, wie in sehr vielen Autos. Andere Bauarten zeigt Lektion F3. Fahrersitz links im Auto, von vorn gesehen also rechts im Bild.
Station 2Drei Aufgaben: halten, trennen, führen
Station 3Gefedert und ungefedert: das Viertel-Auto
Modell eines Viertel-Autos: 350 kg Aufbau (ein Viertel von 1.400 kg), Reifen als harte Feder mit 200 N/mm, Reifenradius 31 cm. Bodenwelle 5 cm hoch und 2,5 m lang, Schlagloch 4 cm tief und 50 cm lang, Wellblech mit 1,5 cm hohen Wellen alle 80 cm. Höhen im Bild 3-fach überhöht. Werte sind typische Größenordnungen, kein bestimmtes Auto. Die Messwerte rechts gelten für die letzten 2,5 Sekunden.
Station 4Wanken, Nicken, Heben: wie sich der Aufbau bewegt
Modell: 1.400 kg, Radstand 2,6 m, Spurweite 1,5 m, 55 % des Gewichts vorn, Federn 25 N/mm pro Rad. Die Neigung im Bild ist 3-fach überhöht. Ohne Bremsnick- und Anfahrausgleich gerechnet, typische Größenordnungen.
Die Bewegungen und der Stabilisator
Station 5Werkstatt: typische Fehler
Fahrwerk-Detektiv: Symptom → Ursache → Prüfen → Abhilfe
Kosten nennen wir hier bewusst nicht: Sie hängen stark vom Auto ab. Reifen und Radlager klingen ähnlich wie viele Fahrwerksfehler, siehe auch Antriebskunde: Geräusch-Detektiv.
Gebrauchtwagen und HU: der Blick aufs Fahrwerk
- Steht es gerade? Auf ebenem Boden von vorn und hinten ansehen. Abstand Radmitte bis Kante Radlauf links und rechts messen. Ein deutlicher Unterschied an einer Ecke: Federbruch oder müde Feder verdächtig. Vorher den Reifendruck prüfen.
- Reifen lesen. Innen oder außen stärker abgefahren: Sturz oder Spur verstellt (Lektion F6). Unregelmäßige Dellen und Auswaschungen im Profil: oft müde Dämpfer. Mehr in Antriebskunde: Traktion.
- Drunter schauen, aber sicher. Nur auf der Bühne oder über der Grube, nie unter ein Auto, das nur auf dem Wagenheber steht. Suchen: ölnasse Dämpfer, gebrochene oder stark rostige Federn, gerissene Gummimanschetten an Gelenken und Spurstangen, rissige Gummilager, Rost an Federbeindom und Achsaufnahmen. Bei Klassikern besonders wichtig.
- Probefahrt mit offenem Ohr. Kopfsteinpflaster und Bodenwellen: Poltert es? Schaukelt der Aufbau nach? Auf freier, gerader Straße: Steht das Lenkrad gerade, zieht das Auto zur Seite? Aus etwa 50 km/h kräftig bremsen, wo es sicher geht: zieht es, flattert das Lenkrad?
- Papiere bei Umbauten. Tieferlegung, Gewindefahrwerk, andere Felgen oder Spurplatten brauchen eine ABE (Auflagen beachten), ein Teilegutachten mit Änderungsabnahme nach §19 StVZO oder eine Einzelabnahme nach §21 StVZO. Fehlt das, kann die Betriebserlaubnis erlöschen, und bei der HU gibt es Ärger. Gerade bei JDM-Importen nachfragen.
- Letzten HU-Bericht ansehen. Dort stehen auch geringe Mängel, zum Beispiel Spiel in einem Gelenk oder ein ölfeuchter Dämpfer. Das sind gute Hinweise, wo bald Arbeit ansteht. Eine gebrochene Feder ist ein erheblicher Mangel, damit gibt es keine Plakette.